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Latexlexikon / Latexwiki


Chloriertes Latex

Chloriertes Latex: Eigenschaften, Vor- und Nachteile

Chloriertes Latex bietet eine Reihe von Vorteilen gegenüber unbehandeltem Naturlatex und erfreut sich großer Beliebtheit. Der größte Vorzug besteht in der veränderten Oberflächenstruktur: Chloriertes Latex klebt nicht mehr zusammen und lässt sich völlig ohne Anziehhilfen wie Talkumpuder oder Silikonöl tragen. Darüber hinaus ist das behandelte Material widerstandsfähiger gegenüber Umwelteinflüssen wie Ozon und UV-Strahlung sowie unempfindlicher gegen Körperflüssigkeiten wie Schweiß.

Nachteile bei Reparaturen: Ein wesentlicher Nachteil entsteht bei eventuell notwendigen Reparaturen. Besonders bei dünnen Materialstärken (0,18 mm bis 0,50 mm) ist das Flicken oder Anbringen von Verstärkungen nahezu unmöglich. Durch die versiegelte Oberfläche finden Klebstoffe keinen dauerhaften Halt mehr, sodass sich reparierte Stellen unter Zugbelastung leicht wieder öffnen. Auch der typische Eigengeruch des Latex kann durch den Prozess verblassen. Durch sehr gründliches Spülen nach der Chlorierung und den Einsatz spezieller Pflegemittel lässt sich der charakteristische Duft jedoch weitgehend erhalten.

Achtung bei DIY-Chlorierung: Im Internet kursieren diverse Anleitungen, um Latexkleidung selbst zu chlorieren. Hiervon ist dringend abzuraten. Bei dem chemischen Prozess entstehen stark giftige Dämpfe (Chlorgas). Ohne professionelle Ausrüstung und tiefgehende Fachkenntnisse bestehen erhebliche Gesundheitsrisiken.

Der chemische Prozess der Chlorierung

Die Chlorierung ist ein chemisches Verfahren zur Oberflächenbehandlung. In einem Wasserbad wird unter Zugabe spezifischer Chemikalien (wie beispielsweise Salzsäure) reaktives Chlor freigesetzt. Die Latexkleidung wird für eine genau definierte Dauer in diesem Gemisch bewegt.

Durch die chemische Reaktion werden die mikroskopischen, haftenden Verbindungen der Latexoberfläche neutralisiert – das Material wird glatt. Ein entscheidender Zusatzeffekt dieses Prozesses ist das Einschließen der allergieauslösenden Eiweißmoleküle (Proteine). Dies ermöglicht es selbst Personen mit einer leichten Latexallergie, das Material zu tragen, weshalb dieses Verfahren auch bei medizinischen Handschuhen seit Jahrzehnten Standard ist. Wer auf den typischen Hochglanz nicht verzichten möchte, kann die Außenseite chlorierter Latexkleidung weiterhin problemlos mit Silikonöl polieren.

Allergien und chloriertes Latex

Latexallergien sind auf dem Vormarsch und äußern sich meist als Kontaktallergie. Die allergische Reaktion (Anaphylaxie) reicht von Hautrötungen und Juckreiz in den Gelenkbeugen bis hin zu schweren Symptomen wie Übelkeit, Atemnot, Herz-Kreislauf-Problemen und im Extremfall einem lebensbedrohlichen anaphylaktischen Schock. Da es sich oft um eine Allergie des Spättyps handelt, können Reaktionen noch bis zu 72 Stunden nach dem Hautkontakt auftreten.

Kreuzallergien und Risikogruppen

Latexallergiker reagieren häufig auch auf bestimmte Lebensmittel und Pflanzen, die ähnliche Proteinstrukturen aufweisen (Kreuzallergie). Dazu gehören Bananen, Walnüsse, Kiwis sowie Zimmerpflanzen wie die Birkenfeige (Ficus) und der Weihnachtsstern. Ein stark erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Latexallergie besteht bei Personen mit Asthma oder Neurodermitis sowie in medizinischen Berufsgruppen (hier sind bis zu 18 % betroffen). Bei bekannten Vorerkrankungen ist selbst bei chloriertem Latex höchste Vorsicht geboten.

Latex im Alltag

Personen mit einer Latexallergie müssen auch im Alltag auf verstecktes Latex achten. Es findet sich unter anderem in:

  • Gummibändern in Hosen, BHs und Strümpfen
  • Matratzen (insbesondere Latexmatratzen)
  • Haushaltshandschuhen und Radiergummis
  • Dichtungsringen und Gartenschläuchen
  • Bestimmten PC-Mäusen, Tastaturen und Telefonen
  • Luftballons, Kondomen und Kaugummis
  • Körperpflegeprodukten (oft mit Mandel- oder Avocadoöl)

Herkunft: Vom Kautschukbaum zur Kleidung

Latex ist im Grunde Naturkautschuk, der mit einem geringen Anteil an Schwefel und Wasser versetzt wird. Es wird aus dem Milchsaft des Kautschukbaumes (Hevea brasiliensis) gewonnen. Südamerikanische Ureinwohner nannten ihn „Ca-Hu-Chu“ (weinender Baum). Um zu verhindern, dass das in Fässern gelagerte, flüssige Latex auf dem Transportweg vorzeitig vulkanisiert (aushärtet), wird Ammoniak beigemischt (Low-Ammonia oder High-Ammonia).

Erst wenn das Ammoniak verdunstet und Sauerstoff sowie Wärme an das Material gelangen, beginnt der Vulkanisationsprozess. Aus diesem Milchsaft wird der weltweit stark nachgefragte Naturkautschuk gewonnen, auch wenn ein Großteil des industriellen Kautschuks heute petrochemisch (synthetisch) hergestellt wird.

Weltweite Fördermengen von Naturkautschuk

Die folgende Tabelle (basierend auf Daten von Wikipedia) gibt einen Überblick über die größten Produktionsländer von Naturkautschuk:

Weltkarte der Herstellungsländer für Latex
Quelle: Wikipedia - Naturkautschuk
Rang Land Produktion (in Tsd. Tonnen)
1Thailand3.030
2Indonesien1.792
3Malaysia1.000
4Indien694
5China550
6Vietnam391
7Elfenbeinküste123
8Nigeria112
9Liberia108
10Brasilien96
11Sri Lanka92
12Philippinen88
13Guatemala50
14Kambodscha46
15Kamerun46
16Myanmar36
17Mexiko23